Die Musik der Natur

Kräftemessen im Belcanto

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Potentielle Partnerinnen hören bei den an sie adressierten Passagen im Prinzip auf die gleichen Botschaften: Meldet sich da ein Bewerber, der ein attraktives Territorium frei von Eindringlingen halten kann?  Und wird er in der Lage sein, munteren Nachwuchs zu zeugen und auch durchzufüttern? Anders als männliche Rivalen hören die Weibchen schweigend zu und lassen sich unter Umständen viel Zeit mit der Partnerwahl. Keine Hochzeit findet statt ohne vorherigen Soundcheck, in dem der „Richtige“ seine Fitness  bewiesen hat.

Die Männchen innerhalb einer Art unterscheiden sich merklich in ihren jeweiligen Gesangsrepertoires. Jedes Individuum interpretiert und kombiniert spezifische Gesangstypen auf  individuelle Weise.

Wissenschaftlich belegt ist die enge Beziehung, die zwischen markanten Gesangseigenschaften eines bestimmten Vogels und seiner Muskelkraft, seiner Kampfbereitschaft und der Qualität des von ihm besetzten Reviers besteht. Mit anderen Worten, der jeweils Stärkste lässt sich tatsächlich heraushören, weil er gleichzeitig das größte Repertoire und den längsten Atem hat. Übrigens ist dieser Hörtest bei Vögeln einigermaßen betrugssicher. Schließlich stehen ihnen  -anders als Menschen - keine technischen Tricks zur Verfügung, mit denen sich ein dünnes Stimmchen auf Kraftprotz- Niveau tunen läßt.

Als Messgröße für den Einfluss männlicher Sängerqualitäten eignet sich bei den Weibchen zum Beispiel der spezifische Hormonspiegel, der die Bereitschaft zur Eiablage begleitet. Ein ausdauernder Virtuose bringt Weibchen messbar besser in Paarungsstimmung als ein schwächelnder Langweiler.

Kurz, es liegt es auf der Hand, dass es sich lohnt, in einem so elementaren Wettbewerb unter den Besten zu sein. Die Notwendigkeit, sich derart anzustrengen, hat allerdings in verschiedenen Lebensräumen und bei verschiedenen Arten zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt. Zum Beispiel lösen manche Vögel das Problem, indem sie besonders virtuos und abwechslungsreich singen und sich dabei kaum wiederholen. Deswegen sind aber Amselmännchen, auch wenn sie mit rekordverdächtigen 2000 Strophen im Repertoire protzen können, absolut gesehen nicht erfolgreicher als die vergleichsweise monoton wirkenden Buchfinken. Denn natürlich werden aus der Vogelperspektive nur Gesangsdifferenzen  innerhalb der Art  bewertet. Manchen verhilft daher anstelle von Komplexität einfach die größere Ausdauer zum Erfolg. In beiden Fällen gewinnen zuerst diejenigen Sänger die Gunst der Weibchen, die mit ihrer spezifischen Gesangsweise die Konkurrenz in Grund und Boden singen können.

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