Die Musik der Natur

Singen in Duett und Chor

Seite 3

Eine mögliche Erklärung für Duette könnte die erhöhte Wirkung von Reviergesängen sein. Dafür spricht die Beobachtung, dass weibliche Eindringlinge auf den Duettpart der Weibchen reagieren und männliche auf den der Männchen. So rückt man Konkurrenz beiderlei Geschlechts gesanglich in einem Arbeitsgang zu Leibe und sorgt nebenbei ganz elegant für Treue in der Partnerschaft.

Denkbar wäre auch, dass sich die Paarbindung auf diese Weise befestigen lässt und die Partner sich durch den Austausch musikalischer „Passwörter“ identifizieren können. So ließen sich im Verteidigungsfall Eindringling und vertrauter Partner unterscheiden, und Paare könnten  sich gegenseitig aus der Entfernung zu Hilfe rufen.

Ein bisher einziges Beispiel von Duettgesang männlicher Vögel wurde bei Langschwanzpipras (Chiroxiphia linearis) entdeckt. Je zwei Männchen dieser tropischen Vogelart versuchen als eingespielte Lockvogel-Duos mit einem weit tragenden „To-lîîîh-do“ die Weibchen zu einem eigens vorbereiteten Hochzeitsplatz zu leiten. Diejenigen Sängerpaare, die ihren Gesang am besten zu koordinieren vermögen, haben auch den meisten Erfolg bei den Weibchen. Männchen bleiben als solche Paare oft lange Zeit zusammen. Der untergeordnete der beiden Sänger hofft dabei mitunter jahrelang geduldig auf seine Chance zum Rollenwechsel, denn die eroberten Weibchen beansprucht immer der dominante für sich allein.

Ähnlich wie im Fall der gesanglichen Mimikry bedarf jedoch auch der Ensemblegesang der Vögel umfangreicher weiterer Forschung, um seinen Geheimnissen im Einzelnen noch genauer auf die Spur zu kommen.

Seite 1Seite 2 | Seite 3

Zurück zur Übersicht

© Copyright Gundula Oertel. Alle Rechte vorbehalten.