Die Musik der Natur

Wie Vögel singen

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Von allen Vogelarten ist das lautliche Ausdrucksvermögen bei Singvögeln am höchsten entwickelt. Es mag überraschen, jedoch gibt es nur ein einziges lautliches Kommunikationssystem, das dem der Singvögel an Komplexität vergleichbar ist, und das ist die menschliche Sprache. Singvögel verfügen dafür sowohl über die nötigen Muskeln und Membranen zur Schallproduktion als auch über genügend komplexe Hirnfunktionen und über die erforderliche Gelehrigkeit.

Sie erstaunen Linguisten, denn sie singen so vielfältig wie wir sprechen, und sie machen Musik, die menschlichen Musikern gehörigen Respekt abnötigt. Ihre Stücke haben Struktur und Rhythmus, ihr Gesang hat Motivcharakter, und sie wiederholen und variieren ihre Motive wohlkomponiert. Ihre musikalische „Sprache“ hat eine ebenso nachvollziehbare Syntax wie menschliche Sätze, und ihre Songs dauern mit durchschnittlich drei Sekunden ähnlich lange wie unsere Sätze. Dietmar Todt und Henrike Hultsch haben in mehr als drei Jahrzehnten verhaltensbiologischer Studien an der Freien Universität Berlin den Gesang der Nachtigall umfassend erforscht. Sie kommen ebenso wie andere Wissenschaftler zu dem Schluss, dass das Gesangslernen vieler Singvögel - bei allen Unterschieden – bemerkenswerte Parallelen zum Sprachlernen des Menschen hat. Insbesondere Nachtigallen lernen, mit der großen Zahl der Strophen in ihren Repertoires und deren Myriaden einzelner Elemente ähnlich umzugehen, wie Menschen, die einen Wortschatz gebrauchen lernen. Dies verdient in ihren Augen die Aufmerksamkeit wissenschaftlich vergleichender Forschung, denn Nachtigallen sind demzufolge ein exzellentes Modell für die Art, wie Gedächtnisleistungen neuronal gesteuert werden.

Nachtigallen verstehen heißt also, uns selbst verstehen. Ein Grund mehr, entschieden für die Lebenschancen der wunderbaren Musiker der Natur einzutreten!

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