Die Musik der Natur

Warum singen Vögel?

Amsel mit BlumeFür viele Menschen ist Vogelgesang in erster Linie ein ästhetisches Phänomen. Sei es durch seine faszinierenden musikalischen Qualitäten oder durch seine Wirkung auf unser Gefühlsleben. Ohne Frage könnte man Vogelgesang schlicht als Geschenk der Natur hinnehmen und es als glücklicher Zuhörer dabei bewenden lassen.

Stellte man die Frage Philosophen, bekäme man vielleicht  zur Antwort: Vögel singen, weil sie es können! Dichtern und Komponisten standen die gefiederten Sänger zu allen Zeiten  Modell für eigene schöpferische Eingebungen, und die Frage, was der Gesang der Vögel bedeutet, beantworten sie, wenn überhaupt, nur mit Kunst.

Die „souveräne Freiheit des Vogellieds“ faszinierte zum Beispiel den zeitgenössischen Komponisten Olivier Messiaen so sehr, dass er selbst hunderte Vogelarten an der Stimme zu unterscheiden lernte und ein ganzer Kosmos von Vogelgesängen in sein Werk Eingang gefunden hat.

Oder nehmen wir stellvertretend für alle Dichter nur William Shakespeare, der den Gesang der Nachtigall dramatisch zum Zeichen unsterblicher Liebe erhob: Alle Welt kennt die Stelle, mit der Julia ihren geliebten Romeo in der alles entscheidenden Nacht zum Bleiben zu bewegen sucht: „…Es war die Nachtigall und nicht die Lerche,…“!

Naturwissenschaftler sind zwar im Allgemeinen nicht weniger empfänglich für den ästhetischen Reiz des Vogelgesangs als andere Leute. Doch ihre systematisch geschulte Neugier geht darüber hinaus.

Biologen sind es gewohnt, tierisches Verhalten unter dem Blickwinkel der Evolution zu betrachten. Und so fragen sie beim Gesang der Vögel zum Beispiel gezielt nach seinem Nutzen für den Vogel selbst. Oder genauer, nach seiner Bedeutung als Selektionsvorteil im Wettstreit um knappe Ressourcen.

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