Dschungellaute aus dem Kirschbaum
Der Pirol (Oriolus oriolus)
Seite 3
Der Pirol ist der einzige Europäer in einer großen Familie von Asiaten und Afrikanern.
Pirole verbringen den europäischen Winter bei ihren Verwandten im südlichen oder westlichen Afrika. Und die afrikanische Verwandtschaft weiß ebenfalls ein Lied davon zu singen, wie Wohnungsnot und Hunger auf die Arterhaltung wirken. Bei jedem Besuch ist ein neues Stück Tropenwald der Kettensäge zum Opfer gefallen, in dem der Pirol im vergangenen Jahr noch überwintern konnte.
Auf ihrem Wegzug werden Pirole von Insektenliebhabern zu großen Früchtefans. Sie holen sich Feigen, Oliven und Maulbeeren von den Bäumen und verachten auch ein Angebot an reifen Trauben selten. Obgleich ihre Zahl kaum ausreicht, um wirklich bedeutende Mengen zu vertilgen, hat ihnen diese Vorliebe in manchen Regionen einen üblen Ruf als „Schadvogel“ eingetragen. Und ein solcher Ruf zieht leider oft tödliche Verfolgung nach sich.
In Deutschland stehen Pirole nach drastischen Abnahmen der Brutvogelzahlen inzwischen schon auf der roten Vorwarnliste. Schutzmaßnahmen, die vornehmlich in der Erhaltung noch geeigneter Lebensräume bestünden, sind also dringend geboten.
© Copyright 2010 by Gundula Oertel. Alle Rechte vorbehalten.



Vergrößern
