Die Wildnis ruft im Chor
Der Wolf (Canis lupus)
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Was den Chor betrifft, scheint das Heulen eines Wolfes ein unwiderstehlicher Reiz zum Mitheulen für andere Wölfe (gelegentlich wohl auch für ihre menschlichen Zuhörer) zu sein. Die Reihenfolge, in der eingestimmt wird, hängt von Rang und Alter ab. Die niederen Ränge heulen eher mit den beginnenden Alpha-Tieren mit als umgekehrt.
Das Heulen scheint über weite Distanzen vor allem dies mitzuteilen: "Wir sind hier und dies ist unsere Zahl!" Und die Antwort eines anderen Rudels enthielte demnach zunächst ebenfalls Informationen über dessen Standort und Größe. Zwischen getrennten Rudelmitgliedern erleichtert diese Standortmitteilung die Rückkehr in den schützenden Familienverband. Im Heulen enthalten sind aber sicher auch Territoriumsmarkierungen, vergleichbar dem Reviergesang der Vögel oder auch den Brüllkonzerten mancher Affenarten.
Dass das Heulen der Wölfe auch eine Art Reviergesang ist, schlossen die Forscher aus der Beobachtung, dass die Tiere dem Geheul anderer Gruppen im Grenzgebiet ihrer Reviere besonders konsequent antworten. Übersetzen könnte man das etwa so: „Trollt euch besser, denn dies ist unser Jagdgebiet und wir sind stark genug, es zu verteidigen!“ Dazu scheint aber auch die jeweilige Stimmungslage des Heulenden zum Ausdruck zu kommen. Zum Beispiel kann ein Wolf in Jagdlaune beim Heulen den Chor der anderen zum gemeinsamen Jagen animieren. Das Chorgeheul stärkt schließlich auch den Zusammenhalt im Rudel. Erik Zimen sagt dazu: „Die Wölfe bestätigen sich sozusagen gegenseitig ihre freundliche, kooperative Stimmung.“ Das schließt allerdings aus dem engeren Verband ausgestoßene oder ausgeschiedene Tiere nicht mit ein. Diese sprichwörtlich einsamen Wölfe heulen auf der Suche nach Gesellschaft. Sie finden damit Kontakt zu fremden Artgenossen in Reichweite und gründen so unter Umständen neue Rudel.
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