Percussions auf der Nestkante
Der Weißstorch (Ciconia ciconia)
Englisch: European White Stork
Französisch: Cigogne blanche
Der Weißstorch gehört nicht zu den Vögeln, denen Gesang gegeben ist. Während Bruder Schwarzstorch immerhin pfeifen kann, äußert sich sein weißer Verwandter höchstens als hungriges Küken mit einem klagenden Bettellaut und später mit einem kurzen Zischen, wenn er in Aufregung gerät.
Laute, die den Artgenossen etwas sagen, lassen sich aber auch mit anderen Hilfsmitteln erzeugen. Ein großer Schnabel ist als Percussions- Instrument bestens geeignet. Und das Schnabelklappern als Verständigungsart beherrschen selbst die Storchenküken schon, kaum dass sie aus dem Ei gekrochen sind.
Storchenmännchen treffen im Frühjahr als erste im Brutgebiet ein und nehmen ihre Nester in Besitz. Weibchen werden gleich bei ihrer Ankunft mit zünftiger Storchenmusik von der Nestkante aus begrüßt. Das Männchen steht dabei mit aufgerichteten Schwanzfedern und leicht angewinkelten Flügeln auf dem Nest. Den Kopf wirft es zuerst nach vorn und dann im Bogen zurück und lässt es dabei klappern, was die Schnabelränder hergeben. Die Schau, die er für das Weibchen abzieht, ist nicht nur in Punkto Lautstärke ziemlich eindrucksvoll, sondern auch durch ihren Anblick. Weibchen, denen der große Auftritt zusagt, gesellen sich zu den Männchen aufs Nest und klappern im Gleichtakt mit. Die Paarung der Störche ist ein bewunderswerter Balanceakt. Sie steht dabei aufrecht und er versucht nicht nur flügelschlagend auf ihrem Rücken im Gleichgewicht zu bleiben, sondern klappert auch noch dabei. Im Duo wird die beziehungsstiftende Klapperei später als Erkennungs- und Begrüßungszeremonie beibehalten. Eindringlinge werden von beiden Partnern mit lautem Geklapper verscheucht. In diesem Fall unterscheiden sich die Körperhaltung und vor allem die Flügelbewegung der Männchen deutlich vom Balzklappern.
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