Der es von den Dächern pfeift
Der Haussperling (Passer domesticus)
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Noch etwas anderes erweist sich bei wissenschaftlicher Betrachtung als bloß populäre Oberflächlichkeit: das böse Wort vom „Spatzenhirn“, das gemeinhin als Synonym für einen Mangel an Lernfähigkeit und geistige Flexibilität verwandt wird.
Das Gegenteil beweisen Spatzen als äußerst gelehrige Gesangschüler.
Im 18. Jahrhundert war es ein beliebtes Spiel, zumeist mit der Hand aufgezogenen Vögeln, darunter zahlreich auch Sperlingen, Lieder beizubringen. Es gibt eine stattliche Zahl von Berichten und Belegen dafür, dass Haussperlinge, die beispielsweise in Gesellschaft von Kanarienvögeln aufgezogen wurden, deren rollendes Geträller perfekt erlernen.
Auch wenn sie es mit der rauen Spatzenstimme und lauter tun, ihre Lernfähigkeit beweisen sie damit ebenso eindrucksvoll wie mit der Wiedergabe anderer, ihnen beigebrachter Liedpassagen.
Freilebende Haussperlinge sind aber auch im Stande, Alarmrufe von Staren oder Amseln zu kopieren, Pfiffe von Buchfinken wiederzugeben oder Kopien von Heidelerchengesang und Grillenzirpen zu produzieren.
Jüngste Forschungen zeigen, dass es auch bei anderen Vogelarten Beispiele von gegenseitigem „Sprach“-Verständnis gibt, die unter anderem dafür zu sorgen scheinen, dass Vögel sich vor Fressfeinden rechtzeitig in Sicherheit bringen können, weil eine Art die Feindwarnungen der anderen versteht und so der gemeinsamen Bedrohung erfolgreicher ausweichen kann.
Keine Spur also von Schwächen in der Leistung eines Spatzen- oder anderen Vogelhirns!
© Copyright 2012 by Gundula Oertel. Alle Rechte vorbehalten.



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